12. September 2016

Esther Bejarano in Stralsund

Am Sonnabend, 10.September, war der Gustav-Adolf-Saal in St. Jakobi überfüllt. Überwiegend junge Menschen waren der Einladung des Vereins Rock gegen Rechts Stralsund e.V. gefolgt. Zum Aktionsprogramm des Vielseitigen Vereins gehören auch Konzerte und Vorträge. Mit seinen „ Aktionstagen gegen Rechts“ positioniert er sich in Stralsund und dem Umland gegen rechtsradikale und demokratiefeindliche Tendenzen und Gewalt. So gelang ihm ein ganz besonderes Ereignis mit dem Auftritt von Esther Bejarano und ihrer Band „Microphone Mafia“.

Die heute etwa 90-jährige, vor Leben sprühende Frau, hat ihrem schweren Schicksal zum Trotz nie den Glauben an Humanität und Frieden aufgegeben. Als Jüdin hat sie als junges Mädchen die Hölle des Konzentrationslagers Auschwitz erlebt und durch Zufälle überlebt. Viele Jahre hat sie dann mit ihrer Familie in Israel gelebt, bevor sie nach Deutschland zurückgekommen ist. Esther Bejarano las aus ihrer packenden Biografie und erstaunte dabei durch eine klare, perfekte Diktion: Auch eine künstlerisch eindrucksvolle Leistung. Das Publikum lauschte gebannt.

Eine gute Ergänzung boten die beiden Bandmitglieder: Der Rapper Kutlu Yurtseven und der Musiker Joram Bejarano, an der Gitarre, dem indischen Sitar ähnlich. Joram ist übrigens der Sohn von Esther. Die sonst vierköpfige Band gilt als frühe deutsch-türkisch-italienische Rapgruppe, 1989 in Köln formiert. Sie hat mehrere Alben und Maxi-Singles veröffentlicht, unter anderem zusammen mit der bekannten Kölner Gruppe BAP auch eine Maxi gegen Rechtsradikalismus. Der in Köln geborene Rapper Kutlu Yurtseven beeindruckte durch starke Texte antifaschistischer Prägung aus heutiger Sicht, die von Playback- Musik getragen wurde.

Esther Bejarano sang auch selbst im Konzert mit und steuerte berührende Texte bei. Sie und „ihre“ Band hinterließen den Eindruck einer verschworenen Gemeinschaft.

Jenny Rautenberg