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DIE TOTEN MAHNEN UNS! - Rede anlässlich des Holocaust-Gedenktages

Verehrte Anwesende,

heute  vor 75 Jahre wurde von der Roten Armee das Konzentrations-und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau befreit. Auschwitz steht als Symbol der millionenfachen,systematischen Ermordung der Jüdinnen und Juden, Sinti und Roma und vieler anderer. Sie dürfen nicht in Vergessenheit geraten!

Und wir verneigen uns heute und hier vor ihnen und gedenken ihrer.

Beim Gedenken an die Naziverbrechen geht es nicht darum, dass sich alle Deutschen schuldig fühlen sollen, sondern, es geht darum, dass alle Menschen wissen sollen, warum Widerstand gegen rechte Ideologien HEUTE notwendig ist.

Am 18. Oktober 2002 beschlossen die Bildungsminister der im Europarat vertretenen Staaten, einen TAG DES GEDENKENS AN DEN HOLOCAUST UND DER VERHÜTUNG VON VERBRECHEN GEGEN DIE MENSCHLICHKEIT, einzuführen. Der 27.Januar wurde von den meisten Staaten, darunter Deutschland und die Schweiz, ausgewählt.

Und jetzt kommt für mich das Interessante. Im Zusammenhang mit dem Gedenktag sollen im Schulunterricht Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Völkermord und speziell der Holocaust thematisiert werden, wozu der Europarat Materialien bereithält. Aufgrund der angewachsenen rechten Szene bezweifle ich, ob wirklich genug getan worden ist und getan wird, diesem Ansinnen gerecht zu werden.

Ich habe eine Studie eines Gymnasiallehrers aus Heidelberg gelesen, in der er auflistet, dass von 56 befragten Geschichtslehrern eine aus der DDR stammte und für diese die Aufarbeitung der DDR-Diktatur Priorität hätte und der Holocaust ein beliebiges Thema des Geschichtsunterrichts sei. Von den 56 Befragten war sie die Ausnahme mit dieser Denkweise. Für die anderen GeschichtslehrerInnen ist die NS-Zeit nach wie vor eines der wichtigsten Themen, wobei eben auch die Meinung der NICHTÜBERFRACHTUNG der Schüler herrschte. Eine andere Gruppe hält das Thema nach wie vor für absolut grundlegend und hebt die Sonderstellung diese Zeitabschnitts für die bundesdeutsche Geschichte und insbesondere die schulische Auseinandersetzung hervor.
Das Fazit ist, will man sich wirklich ernsthaft damit auseinandersetzen, reicht kein oberflächlicher Schul- oder Frontalunterricht. Es muß durch ein sehr komplexes Lernarrangement behandelt werden, welches unbedingt die Probleme der Gegenwart (z.B. die Flüchtlingsproblematik) einbeziehen müßte.

Auf uns allen liegt eine riesige Verantwortung, nicht zuzulassen, wo wir gehen und stehen, dass nationalistisches Denken, Fremdenfeindlichkeit und Intolleranz gegen Andersdenkende vorherrscht. Wir alle dürfen nicht wegschauen und müssen uns immer wieder einmischen, wenn es um diesen, von uns verachteten, Rechtsradikalismus geht.
Wenn ich lese, dass der deutsche Militärgeheimdienst gegen 550 Bundeswehrsoldaten wegen Verdachts auf Rechtsradikalismus ermittelt und 2019 sollen 360 neue Verdachtsfälle dazugekommen sein, wobei beim KSK (Eliteeinheit Kommando Spezialkräfte) der Anteil besonders hoch ist, dann spiegelt das für mich nur einen Bruchteil dessen wider, was in anderen gelellschaftlichen Bereichen vorhanden ist.

Wir als Linke und linksdenkende Menschen müssen unseren Kampf gegen dieses kapitalistische Gesellschaftssystem weiterführen, damit solche Auswüchse nicht entstehen, damit der Mensch ein Mensch ist, egal, welche Nationalität, welcher Religion er angehört oder welche Hautfarbe er hat.

DIE TOTEN MAHNEN UNS!

NIE WIEDER KRIEG - NIE WIEDER FASCHISMUS!

Christina Winkel, 27.1.2020