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Sterben ist keine Bilanzposition – Pietät statt Preisdruck bei Friedhofsgebühren
Zur Äußerung des Landesrechnungshofs zu den angeblich zu geringen Friedhofsgebühren in Mecklenburg-Vorpommern erklärt der finanzpolitische Sprecher und parlamentarische Geschäftsführer der Linksfraktion, Torsten Koplin:
„Wer das Lebensende in die Logik der schwarzen Null presst, handelt pietätlos und sozial blind. Bildung und Justiz werden aus gutem Grund nicht kostendeckend kalkuliert – warum soll ausgerechnet der Tod zur Profit- oder Deckungsfrage werden? Nein, danke.
Vor 21 Jahren wurde das gesetzliche Sterbegeld abgeschafft. Seitdem tragen Hinterbliebene die Last nahezu allein – und für viele Familien ist eine Bestattung schon heute eine enorme finanzielle Herausforderung. Wenn Kommunen die Gebühren jetzt weiter ‚an reale Kosten anpassen‘, wie es in anderen Ländern bereits teils in den Satzungen angelegt ist, werden zu den durchschnittlich 5.000 bis 9.000 Euro für eine Standardbestattung schnell noch einmal mehrere tausend Euro draufgesattelt. Das ist unzumutbar.
Die Debatte verfehlt den Kern. Strukturelle Probleme bei kommunalen Friedhöfen – Überkapazitäten, demografischer Wandel, veränderte Bestattungskultur – lassen sich nicht auf dem Rücken der Trauernden lösen. Es braucht landesseitige Unterstützung, interkommunale Kooperationen, Flächenkonzepte und transparente, solidarische Finanzierung – nicht Gebührenkeulen am Grab.
Wir sprechen uns für soziale Bestattungsvorsorge aus. Das heißt:
- Im Zuge einer erforderlichen Reform der gesetzlichen Krankenversicherung die Wiedereinführung des seinerzeit weggefallenen Sterbegeldes für Gering- und Normalverdienende.
- Deckelung und soziale Staffelung der Friedhofs- und Bestattungsgebühren; verbindliche Härtefallregelungen.
- Einheitliche Transparenzstandards für Gebührenkalkulationen und regelmäßige Sozialverträglichkeitsprüfungen.
Sterben kostet bereits das Leben – es darf nicht auch noch das letzte Hemd kosten. Unser Land misst sich daran, wie würdevoll es mit den Schwächsten umgeht – auch in der letzten Stunde. Die sonst als sehr hilfreich wahrgenommenen Experten vom Landesrechnungshof sind hier wohl etwas über das Ziel hinausgeschossen. Pietät und Solidarität stehen nicht zur Disposition.“
